ARTE E VINHO · PORTUGALS GESCHICHTE
Portugal und die Sklaverei: die ganze Geschichte
Sklaverei existierte lange vor den europäischen Seefahrten. Wer am atlantischen Menschenhandel beteiligt war, wer darunter litt und warum historische Verantwortung differenziert erklärt werden muss.
Sklaverei gab es schon vor der europäischen Expansion
Die Versklavung von Menschen ist kein europäisches „Erfindungsprodukt“. In antiken Reichen, in Teilen Afrikas, Europas, Asiens und der islamischen Welt gab es über Jahrhunderte unterschiedliche Formen der Unfreiheit. Die Ursachen reichten von Kriegsgefangenschaft über Verschuldung bis zu gewaltsamen Überfällen. Diese Formen dürfen jedoch nicht unbesehen gleichgesetzt werden: Rechtliche Stellung, Erblichkeit, Ausmaß und Lebensbedingungen unterschieden sich stark.
Wie Gefangene an portugiesische Händler gelangten
Ab dem 15. Jahrhundert bauten portugiesische Händler entlang der westafrikanischen Küste Handelskontakte auf. Einige afrikanische Herrscher, Kaufleute und Vermittler verkauften Gefangene und bereits versklavte Menschen an Portugiesen. Manche Gefangenen stammten aus Kriegen, andere aus Raubzügen, Angriffen auf Dörfer oder Entführungen. Wer Menschen verkaufte, war nicht mit „den Afrikanern“ insgesamt gleichzusetzen: Zahlreiche Gemeinschaften wurden Opfer solcher Gewalt, manche leisteten Widerstand und versuchten Angehörige zu schützen oder freizukaufen.
Nachfrage, Handel und Verantwortung
Portugiesische und später auch brasilianische Händler kauften nicht einfach nur Menschen aus einem bestehenden Markt. Europäische und amerikanische Nachfrage, Handelsgüter, Kredite, Schiffe, Häfen und Plantagenwirtschaft veränderten und vergrößerten das System tiefgreifend. Mit dem Ausbau des Zuckeranbaus und später weiterer Plantagenwirtschaft stieg der Bedarf an erzwungener Arbeit. Der transatlantische Sklavenhandel wurde zu einem über Jahrhunderte organisierten Geschäft, an dem Akteure auf mehreren Kontinenten beteiligt waren. Die Verantwortung der portugiesischen und brasilianischen Beteiligten bleibt dadurch klar bestehen.
Nicht nur Handel: das Leben der Versklavten
Menschen wurden von Familien getrennt, über den Atlantik verschleppt und unter Zwang zur Arbeit eingesetzt. Viele starben schon während der Gefangennahme, auf den Märschen zur Küste oder während der Überfahrt. In Brasilien und anderen Kolonien mussten Versklavte unter anderem auf Plantagen, in Haushalten und im Bergbau arbeiten. Ihre Erfahrungen, ihre Kultur, ihr Widerstand und die Gründung von Gemeinschaften entflohener Versklavter sind ein unverzichtbarer Teil der Geschichte.
Abschaffung: kein einzelner Schlussstrich
1761 wurde die Einfuhr versklavter Menschen in das europäische Kernland Portugals untersagt; die Sklaverei im Kolonialreich endete damit nicht. Im 19. Jahrhundert folgten weitere Maßnahmen gegen Sklavenhandel und Sklaverei. 1869 wurde die Sklaverei in den portugiesischen Kolonien formell abgeschafft, während Formen abhängiger und erzwungener Arbeit fortbestanden. Auch Brasilien ging einen eigenen Weg und schaffte die Sklaverei erst 1888 gesetzlich ab. Ein Gesetz bedeutete nicht automatisch Freiheit und Gleichheit im Alltag.
Was eine vollständige Darstellung verlangt
Die historische Aussage „Europäer haben die Sklaverei nicht erfunden“ ist richtig. Ebenso richtig ist, dass portugiesische Akteure eine wesentliche Rolle bei der Entstehung und Ausweitung des atlantischen Systems spielten. Wir erzählen beides – und benennen die Beteiligung bestimmter afrikanischer Herrscher und Händler ebenso wie die Leiden und den Widerstand afrikanischer Menschen. Ein Hinweis auf andere Beteiligte ist keine Entschuldigung für die eigenen Taten. Geschichte braucht Kontext, überprüfbare Quellen und die Perspektiven der Betroffenen.
Quellen und weiterführende Lektüre
Quellen zur Vertiefung: SlaveVoyages (slavevoyages.org); UNESCO, General History of Africa; portugiesische Gesetzesgeschichte zur Abschaffung; Encyclopaedia Britannica, Transatlantic Slave Trade.
Die Abschaffung: 1761 war ein Anfang, nicht das Ende
Unter König José I. und dem Marquês de Pombal verbot Portugal 1761 die Einfuhr versklavter Menschen in das europäische Kernland. Das war ein früher gesetzlicher Schritt, aber kein allgemeines Verbot der Sklaverei im portugiesischen Reich. Ein weiteres Gesetz von 1773 schränkte die Sklaverei im europäischen Portugal ein und leitete ihre schrittweise Beseitigung ein. In Brasilien und den übrigen Überseegebieten blieb die Versklavung von Menschen bestehen.
1836 verbot Portugal den Sklavenhandel in seinen Herrschaftsgebieten; die Umsetzung war jedoch lückenhaft und der illegale Handel hielt an. 1869 wurde die Sklaverei in den portugiesischen Kolonien formell abgeschafft, doch Übergangsregelungen verpflichteten viele Betroffene weiter zu Arbeit. Erst 1878 endeten diese gesetzlichen Dienstpflichten. Brasilien, seit 1822 unabhängig, schaffte die Sklaverei 1888 ab. Deshalb darf die Reform von 1761 weder verschwiegen noch mit einer vollständigen Abschaffung verwechselt werden.