Geschichte Portugals
Portugal ist nicht nur geografisch klein, sondern historisch außergewöhnlich dicht: Das Gebiet ist seit Jahrtausenden besiedelt, und die Staatsgrenzen gehören zu den ältesten Europas.
Vor Portugal: frühe Kulturen und Antike
Auf dem Gebiet des heutigen Portugal lebten lange vor der Staatsgründung unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Megalithanlagen, befestigte Siedlungen und archäologische Spuren zeigen eine sehr frühe Besiedlung. Später wirkten unter anderem phönizische, griechische und karthagische Handelskontakte auf die Atlantikküste ein.
Mit der römischen Expansion wurde ein großer Teil des heutigen Portugal in die Provinz Lusitania und angrenzende Verwaltungsräume integriert. Straßen, Städte, Landwirtschaft, Weinbau, Olivenkultur und Latein hinterließen tiefgreifende Spuren.
Sueben, Westgoten und Al-Andalus
Nach dem Ende der weströmischen Herrschaft entstanden auf der Iberischen Halbinsel Reiche der Sueben und Westgoten. Ab 711 begann die islamische Herrschaft über große Teile der Halbinsel. Besonders im Süden Portugals blieben arabisch-berberische Einflüsse in Landwirtschaft, Bewässerung, Sprache, Architektur und Ortsnamen sichtbar.
Die Entstehung Portugals
Im 12. Jahrhundert entwickelte sich aus der Grafschaft Portucale ein eigenständiges Königreich. Afonso Henriques wurde zum ersten König Portugals. Die Grenzen verschoben sich im Verlauf der Reconquista nach Süden; im 13. Jahrhundert war das portugiesische Festlandsgebiet im Wesentlichen in seiner heutigen Form erreicht.
Visit Portugal bezeichnet Portugal als das Land mit den ältesten Grenzen Europas. Diese außergewöhnliche territoriale Kontinuität ist ein Schlüssel zum Verständnis portugiesischer Identität.
Atlantik und Expansion
Im 15. und 16. Jahrhundert wurde Portugal zu einer führenden Seemacht. Madeira und die Azoren wurden dauerhaft besiedelt; portugiesische Seefahrer erschlossen Routen entlang Afrikas, nach Indien, Südostasien und Brasilien. Handel, Mission, Gewalt, Kolonialismus und kultureller Austausch prägten diese Epoche gleichermaßen.
1755, Reformen und Umbrüche
Das Erdbeben von Lissabon 1755 zerstörte große Teile der Hauptstadt. Der Wiederaufbau unter dem Marquês de Pombal wurde zu einem Symbol staatlicher Modernisierung. Im 19. Jahrhundert folgten französische Invasionen, liberale Revolutionen, Bürgerkrieg und tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen.
Republik, Estado Novo und Demokratie
1910 endete die Monarchie. Nach instabilen republikanischen Jahren etablierte sich die autoritäre Diktatur des Estado Novo. Am 25. April 1974 beendete die Nelkenrevolution das Regime weitgehend unblutig und leitete Demokratisierung und Dekolonisation ein.
1986 trat Portugal der damaligen Europäischen Gemeinschaft bei. Heute verbindet das Land seine lange Geschichte mit einer modernen europäischen und atlantischen Identität.